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Die Pietà im Gurker Dom

  • Autorenbild: Carmen Heller
    Carmen Heller
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Ein barockes Meisterwerk von Georg Raphael Donner


Pietà von Georg Raphael Donner im Gurker Dom: Maria hält den toten Christus im Schoß, begleitet von Engeln, aus Blei gefertigt, im barocken Kirchenraum
Die Pietà von Georg Raphael Donner im Gurker Dom zeigt Maria, die den vom Kreuz abgenommenen Christus im Schoß hält. Ein großer Engel stützt sie, während kleinere Engel sich den Wunden Christi zuwenden. (Foto: © Carmen Heller)

Im Gurker Dom befindet sich eines der eindrucksvollsten Werke des österreichischen Barock: die Pietà von Georg Raphael Donner, geschaffen um 1740 für den Kreuzaltar.


Maria sitzt auf einem Felsen und hält den leblosen Körper ihres Sohnes im Schoß. Der Kopf ist leicht geneigt, der Blick gesenkt. Ihr Ausdruck bleibt zurückgenommen, ohne übersteigerte Geste oder dramatische Bewegung. Die Aufmerksamkeit richtet sich ganz auf die Haltung und auf das, was nicht ausgesprochen wird.


„Donners Gurker Werk ist eine der ergreifendsten, der eindringlichsten Marienklagen, die je geschaffen wurden.“

Pietà im Gurker Dom: Darstellung und Bedeutung


Der Begriff Pietà stammt aus dem Italienischen und bedeutet 'Mitleid' oder 'Erbarmen'. Gemeint ist die Darstellung Marias mit dem toten Christus nach der Kreuzabnahme, im deutschen Sprachraum auch als Vesperbild bezeichnet, da dieses Motiv mit der abendlichen Andacht verbunden ist. Eine der bekanntesten Darstellungen schuf Michelangelo in Rom aus Marmor.


Der Künstler Georg Raphael Donner und sein Auftrag


Georg Raphael Donner (1693–1741), einer der bedeutendsten Künstler des österreichischen Spätbarock, war vor allem in Wien tätig. Zeitgenossen und spätere Kunsthistoriker sahen in ihm weniger einen „Bildhauer“ im engeren Sinn als vielmehr einen „Meister der Plastik“, wie es Hans Sedlmayr formulierte. Seine Arbeiten sind von einer klaren, zurückgenommenen Form geprägt und setzen sich bewusst von der bewegten Dramatik des Hochbarock ab.


Der Auftrag für die Pietà entstand in einer konkreten Situation. Dompropst Kochler ließ kurz vor seiner Suspendierung wegen verschwenderischer Amtsführung eine neue Gestaltung für den Kreuzaltar ausführen. Ein manieristischer Flügelaltar von Ulrich Vogelsang aus dem Jahr 1585 hatte bis dahin den Blick auf den frühbarocken Hochaltar verstellt. Donners Figurengruppe ist so angelegt, dass sie diesen Blick wieder freigibt und sich zugleich in den Raum einfügt.


Material und Ausführung der Pietà


Donner arbeitete in Gurk mit einem für Großplastiken ungewöhnlichen Material: Blei aus Kärnten. Für den Hartbleiguss in Wien wurden rund 18 Tonnen benötigt. Das Blei kommt Donners Formvorstellung entgegen. Es nimmt den Figuren die Härte, die Übergänge bleiben weich, der Schimmer gedämpft. Das dunkle, schwere Material trägt die Schwere der Szene und lässt zugleich etwas offen, das über den Moment hinausgeht.


Die Engel und ihre Rolle bei der Pietà im Gurker Dom


Die Figuren sind aufeinander bezogen. Engel treten hinzu, wenden sich den Wunden Christi zu oder stehen nahe bei Maria. Ihre Blicke und Haltungen greifen ineinander und führen durch die Gruppe. Ein Trost tritt in diese Szene hinein. Er geht von dem großen Engel aus, der sich Maria zuwendet und die Komposition zusammenhält. Die kleineren Engel wenden sich den Wunden Christi zu, an Händen und Füßen.

Gerade hier zeigt sich ein Unterschied zu vielen barocken Darstellungen, in denen Engelsfiguren oft zu dekorativem Beiwerk werden. Bei Donner ist das anders. Auch die kleinen Engel sind keine Zugaben, sondern tragen das Geschehen mit. In ihrem Ausdruck werden sie zu eindringlichen Bildern der Anteilnahme.


Gezeigt ist nicht die Kreuzigung, sondern der Moment danach. Der Körper ist vom Kreuz genommen, das Geschehen liegt offen vor Augen. Der milde Schimmer des Bleis nimmt dem Ganzen nichts von seiner Schwere, lässt aber zugleich einen Ausblick auf die Auferstehung zu.


„Das Leid trägt […] nicht die Züge der Hoffnungslosigkeit, sondern der Verklärung, da in der Pietà der Glaube an die Auferstehung triumphiert.“ Sammer, Wien 1977

Donner konnte dieses Werk nicht mehr selbst vollenden. Er starb 1741 in Wien, vermutlich an den Folgen seiner Arbeit mit Blei.


Der Tabernakel des Altars wurde einige Jahrzehnte später, 1766, von seinem Schüler Balthasar Moll ergänzt. Trotz einer bereits anderen Formensprache fügt er sich in das Gesamtbild ein und nimmt die Gestaltung seines Lehrers auf.


Auch nach fast 300 Jahren hält diese Pietà den Blick des Betrachters fest, ohne sich aufzudrängen.

 

Literatur: 


Wilhelm Deuer (Text) / Wim van der Kallen (Fotos): Der Dom zu Gurk. Eigenverlag Domkustodie Salvatorianerkolleg Gurk. Klagenfurt 1995.

 

Siegfried Hartwagner: Der Dom zu Gurk. 2., erweiterte Auflage. Klagenfurt 1969.

 

Waldemar Posch / Alfred Sammer: Pietà. G.R. Donner. Eigenverlag Gesellschaft der Freunde der Akademie der bildenden Künste von Dr. Alfred Sammer. Wien 1977.

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Portraitfoto schwarz-weiß von Carmen Heller

Über mich

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