• Carmen Heller

Magisch-wildes Rifgebirge: Mit dem Motorrad durch Marokko

Aktualisiert: 12. Juli

Der Facettenreichtum Marokkos mit Wüsten und Oasentälern, Wäldern, Bergen, Seen, Schluchten und jahrtausendealter Kultur macht das Land zu einem Paradies für Motorradfahrer. Neben atemberaubenden Landschaften zieht der Zauber des Orients Reisende in seinen Bann. Auch wir erliegen auf unserer vierwöchigen Abenteuer-Motorradreise dem exotischen Charme Marokkos.


Mit unserer Yamaha Ténéré 700 unterwegs im Rifgebirge (Nordmarokko)
Mit unserer Yamaha Ténéré 700 unterwegs im Rifgebirge (Nordmarokko) (Foto: Carmen Heller)

Wir - das sind mein Lebenspartner Kevin und ich - machten uns heuer auf zu unserem großen Abenteuer: vier Wochen Marokko mit dem eigenen Motorrad. Wir sind mit nur einem Bike unterwegs, denn leider reicht meine Körpergröße nicht aus, um eine große Reiseenduro zu fahren. So gebe ich die Sozia, was mir gut gefällt, denn die Position der Beifahrerin bietet mir Gelegenheit, die Landschaft in vollen Zügen zu genießen, während mein Partner sich auf die Straße konzentriert. Und was sich an kulturellen Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke bietet, entgeht meinen Historikerinnenaugen ohnehin nicht.


Kapitel #1: Fahrt durchs Rifgebirge

Kapitel #2: Chefchaouen - die blaue Stadt im Rif



Fahrt durchs Rifgebirge


Als unschlagbares 'Team on the Road' setzen wir mit der Fähre von Genua nach Tanger über und starten unsere Rundreise im Norden Marokkos durch das beeindruckende Rifgebirge - ein wildzerklüfteter Gebirgsbogen, der sich von der Straße von Gibralaltar parallel zur Mittelmeerküste bis nach Osten erstreckt.


Einsame Straßen im Rifgebirge (Foto: Carmen Heller)
Einsame Straßen im Rifgebirge (Foto: Carmen Heller)

Das Rifgebirge ist touristisch noch unberührt. Allein die Regionen um Tétouan und Chefchaouen lassen sich problemlos befahren, alle anderen Straßen liegen tief im Landesinneren, wo "Drogenbarone" das Sagen haben und die marokkanische Staatsmacht kaum Einfluss hat. Es ist zuweilen etwas ungemütlich im Inneren des Rif. Die meisten Menschen dort leben vom Cannabisanbau und der Herstellung von Kif (Mischung aus der getrockneten Blüte der Cannabispflanze und einem kleinen Teil von schwarzem Tabak) und Haschisch (das gesammelte und meist gepresste "Harz" der Hanfpflanze). Soweit das Auge reicht, erstrecken sich tiefgrüne Hanfplantagen in den Gebirgstälern dieser Region. Marokko zählt zu den größten Haschischexporteuren der Welt.


"Im Rif haben Drogenbarone das Sagen und die marokkanischen Staatsmacht kaum Einfluss."

Cannabisplantage im Rifgebirge (Foto: Carmen Heller)
Cannabisplantage im Rifgebirge (Foto: Carmen Heller)

Auch uns wird auf der Fahrt durchs Rifgebirge Haschisch angeboten, aber wir lehnen dankend ab. Vielmehr sind wir erstaunt über den offenen Umgang der Marokkaner mit diesem Rauschmittel, denn immerhin ist Haschisch in Marokko laut Gesetz und Koran verboten. Wen das nicht stört, der wird im nördlichen Teil Marokkos mit wunderschönen Landschaften und einem grandiosen Fahrerlebnis belohnt.


Üppig grüne Gebirgslandschaften im Rifgebirge im Norden Marokkos
Üppig grüne Gebirgslandschaften im Norden Marokkos (Foto: Carmen Heller)


Chefchaouen - die blaue Stadt im Rif


Wir besuchen auf unserer Fahrt durchs Rif Chefchaouen, die malerische blaue Stadt, die pittoresk an den Hängen des Gebirges auf ca. 650 m Seehöhe liegt. Der Wallfahrtsort mit 58.000 Einwohnern wurde 1471 vom Cherifen Moulay Ali Ben Rachid als Stützpunkt gegen die vordringenden Portugiesen gegründet und später hauptsächlich von Flüchtlingen aus Al-Andalus besiedelt. Bis ins 20. Jahrhundert war es Europäern verboten, die blaue Stadt zu besuchen, weshalb sie heute in ihrer unverfälschten Gestalt erhalten ist.


Chefchaouen, die blaue Stadt im Rifgebirge (Foto: Carmen Heller)
Chefchaouen, die blaue Stadt im Rifgebirge (Foto: Carmen Heller)

Die Medina ist mit ihren verwinkelten Gassen und blau und weiß getünchten Häusern in ihrer Art in Marokko einzigartig. Die blaue Farbe der Häuser, so sagen die Einheimischen, soll vor bösen Blicken schützen. In ganz Chefchaouen stoßen wir auf wunderschön verzierte Türen, Fensterrahmen und Treppen.



An jeder Ecke wartet in Chefchaouen ein Fotomotiv auf uns und wir genießen es, durch die engen Gassen der Medina zu schlendern.


Einzigartige Fotokulisse in Chefchaouen
Einzigarige Fotokulisse in Chefchaouen (Foto: Carmen Heller)

Im Zentrum der Medina erhebt sich zum einen das achteckige Minarett der Großen Mosche und zum anderen - umgeben von einem gepflegten Platz mit Touristengeschäften, Restaurants und Cafés - die von Moulay Ismail in der Zeit um 1700 erbaute Kasbah. Ihre schmucklosen Außenmauern sind mit Stampflehm errichtet, obwohl im Norden des Landes genügend Steinmaterial vorhanden ist und eine lange Tradition in der Errichtung von Bruchsteinmauerwerk existiert. Doch hat die Lehmgusstechnik gegenüber dem Mauerwerk entscheidende Kosten- und Zeitvorteile, sodass diese ursprünglich aus dem Süden Marokkos stammende Bauweise auch im Norden Verbreitung gefunden hat.


Große Moschee mit achteckigem Minarett im Zentrum der Medina (Foto: Carmen Heller)
Große Moschee mit achteckigem Minarett im Zentrum der Medina (Foto: Carmen Heller)

Die um 1700 von Moulay Ismail erbaute Kasbah aus Stampflehm (Foto: Carmen Heller)
Die um 1700 von Moulay Ismail erbaute Kasbah aus Stampflehm (Foto: Carmen Heller)

In Chefchaouen herrscht eine entspannte, zurückhaltende Stimmung. Es gibt keine aufdringlichen Händler, die uns Teppiche zum angeblichen Superschnäppchenpreis andrehen wollen. Die Stoffe, Teppiche und Töpferwaren werden noch traditionell hergestellt.



Die Bewohner von Chaouen, wie sie die Stadt auch bezeichnen, gehen in Ruhe und Beschaulichkeit ihrem Alltag nach: in den mit Stroh und Reisig beheizten Backhäusern wird täglich frisches Brot gebacken, in den Metzgereien wird um frische Schafköpfe gefeilscht, die dort auf Haken baumeln und in den Schneidereien sind meist junge Burschen emsig mit Näharbeiten beschäftigt.


Katzen prägen das Bild der Medina (Foto: Carmen Heller)
Katzen prägen das Bild der Medina (Foto: Carmen Heller)

In der Medina werden wir auf das Atelier eines Künstlers aufmerksam, der sich dem Malen von Totenköpfen verschrieben hat. Freudig lädt er uns in seine Werkstatt ein und zeigt uns seine Werke. Zum Glück, meint er, sei die Coronakrise überstanden und es kommen wieder Touristen nach Chefchaouen. Die Pandemie hat auch Marokko und seine Bewohner, die vom Tourismus leben, hart getroffen. Da wir mit dem Motorrad unterwegs sind, können wir leider kein Bild kaufen, aber ich verspreche ihm, ihn in meinem Blogartikel zu erwähnen.



Nach einer Nacht in der blauen Stadt und einer ausgiebigen Besichtigungstour am nächsten Vormittag verlassen wir Chefchaouen und machen uns auf zum nächsten Ziel unserer Reise: Fes. Dort tauchen wir ins islamische Mittelalter ein.


Auf ein Wiedersehen im Rifgebirge (Foto: Carmen Heller)
Auf ein Wiedersehen im Rifgebirge (Foto: Carmen Heller)

Unser Unterkunft-Tipp:


Das Riad Dar Sababa liegt am Rande der Medina, nur wenige Minuten von einem bewachten Parkplatz entfernt. Den Hauptplatz mit der Großen Moschee und der Kasbah erreicht man von der Unterkunft aus in zehn Minuten, während man dabei durch die Gassen der Medina schlendern kann. Wir können diese Unterkunft sehr empfehlen, da man für wenig Geld sehr viel geboten bekommt: Ein traditionelles Riad mit schönen marokkanischen Möbeln und netten Details. Am besten war das reichhaltige Frühstück auf der Dachterrasse, von wo aus wir einen tollen Blick über Chefchaouen hatten.


Hier gelangt ihr zur Website des Riads, welches natürlich auch über Booking.com buchbar ist:

https://www.darsababa.com/



Für diesen Blogbeitrag habe ich folgende Quellen verwendet:


Betten, Arnold: Marokko. Antike, Berbertraditionen und Islam. Geschichte, Kunst und Kultur im Maghreb. DuMont Reiseverlag. 5. aktualisierte Aufl. Ostfildern 2012.


Astrid Därr: Marokko on Tour. 20 individuelle Touren durch das Land. Polyglott Reiseführer. München 2019.


Dominik Huf: Haschisch im Islam - Historie der Verwendung in Marokko. Eine Betrachtung der kulturellen Wurzeln für die breite Akzeptanz und Konsumation von Haschisch.


Dominik Huf: Islam und Rausch unter: https://blogs.faz.net/blogseminar/islam-und-rausch/ (aufgerufen am 29.06.2022)



Habt ihr Fragen, so schreibt mir gerne eine persönliche Nachricht in den Chat oder als Mail bzw. in das Kontaktformular. Ich freue mich auch über viele Kommentare zu diesem Beitrag.

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